Ich kann es ja auch nicht und schaffe mir deshalb auch eine Bibliothek in der Dachschräge. Und doch habe ich Tränen gelacht über diesen Schnipsel aus der Harald Schmidt-Show. Bücher wegschmeißen, das mache ich deshalb nicht, weil das Buch an sich für mich Wert hat. Aber ich möchte nicht mehr jedes Buch besitzen, geschweige denn, permanent im Bücherregal stehen haben. Weil Wegwerfen nicht geht, verkaufen und verschenken wir Bücher für die wir wirklich keine Verwendung mehr haben.

Bei Figaros-Fragen wird jeden Morgen gefragt: „Welches Buch würden Sie niemals weggeben?“ Die allermeisten der öffentlichen Gestalten, die die Fragen beantworten, variieren den Satz „Bücher weggeben, höchstens auf Zeit.“. Wolfgang Kohlhaase (Drehbuchautor, zuletzt Als wir träumten, Rezension hier) begründete dies so: „Sie [die Bücher] gehören zu einer Zeit. Ich habe sie in einem bestimmten Moment gekauft. Manchmal irrtümlich, aber nun sind sie da und gehören zu mir. In einer Büchersammlung steckt ein Stück eigener Existenz.“

Ich weiß nicht, wie es dazu kommt, dass viele Menschen ihre Bücher als unverzichtbaren Teil ihres Lebens ansehen. Es wird wohl um mehr gehen, als nur das Wissen oder das Vergnügen, dss aus dem Lesen kommt. Heißt ein Buch wegschmeissen, Wissen vernichten? Sind wir alle kleine Archivare? Oder ist das gefüllte Bücherregal ein bildungsbürgerliches Renommeestück – der Panamera der Gebildeten? Gab es da nicht mal ein Meme: #Shelfie?

Vielleicht mag es auch daran liegen, dass viele meiner Bücher keine eigenen Anschaffungen sind, sondern mir von anderen Menschen weitergegeben oder zu einem bestimmten Anlass geschenkt wurden?

Meine Freunde schenkten mir – ich glaube zum 15. oder 16. Geburtstag – das Buch „Traumfrau für Philipp“, original nur mit 2 Astro-Duft-Tatoos und Liebesprofil. Es war ein Scherz, hoffe ich zumindest. Es nach all den Jahren wegzugeben oder in den Müll zu werfen, kommt gar nicht in Frage.

Und ja, natürlich verbinde ich mein Behalten und Verwahren solcher Bücher mit der Vorstellung, sie dereinst meinen Kindern zeigen zu können. Und sei es auch nur darum, gemeinsam über dumme Ideen der eigenen Jugend zu lachen.

traumfrau

Eine Liste von zwanzig Büchern, die mir zureichend erschienen, bringe ich nicht zustande. Muss ich in meinem Alter auch nicht. Julien Greens Auswahl der unverzichtbaren Bücher – Shakespeare, Novalis, die Bibel – hat Charme, weil es sich dabei natürlich um drei Bibliotheken handelt.

Und so werden sich in meiner kleinen Bibliothek sicher noch mehr Bücher ansammeln, auch wenn ich aus Vorsicht kommenden Umzügen gegenüber, mich in Zukunft beim Zusammensammeln mehr begrenzen möchte. Ein bisschen jedenfalls.

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