Philipp Kurowski (@PhiKuro) hat einen bemerkenswerten Artikel zur aktuellen Situation der Kirche in der Flüchtlingsherausforderung geschrieben. Er geht in seinem Text auf alle wichtigen Aspekte der Situation ein: die Flüchtlingshilfe vor Ort, die Äußerungen der Kirchenleitungen, das Problem „besorgte Bürger“ mitzunehmen, gar den ersten Pogromaufrug gegen Christen hat er nicht ignoriert:

„Und damit die letzte Aufgabe für Kirche: Der Hass der selbsternannten „Verteidiger des (christlichen) Abendlandes“ richtet sich mittlerweile auch gegen alle, die das „Refugees Welcome“ predigen und praktizieren. Also auch gegen die Kirchen, ihre Pastorinnen und Pastoren und alle haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeiter. Der Aufruf Tatjana Festerlings, die „volksverräterischen und volksverhetzenden Eliten…aus den Kirchen (zu) prügeln“ ist der erste öffentliche Aufruf zu Pogrom gegen Christen, der mir aus der jüngeren Geschichte unsere Landes bekannt ist.

Es ist eine bittere Ironie, dass diejenigen, die sich uns in der Verurteilung der Verfolgung von christlichen Minderheiten im Orient als Verbündete andienen, ihrerseits hierzulande nichts anderes vorhaben, als gewaltsam gegen Gotteshäuser vorzugehen. Die Islamkritik mündet in Religionskritik insgesamt, und der Furor des Kreuzzuges erfasst nun die vermeintlichen Anhänger von Aufklärung und abendländischen Werten.“

Unter seinen Artikel habe ich – woran ich viel zu selten denke – einen Kommentar geschrieben:

Ich habe vor ein paar Wochen geschrieben, dass es zu meinen Lebzeiten noch nie so einfach war, Kirche zu sein wie heute. Einfach, nicht weil es anstrengungslos und unkompliziert wäre. Einfach, weil die Richtung klar ist. Das zeigen vor allem die vielen Christen die sich vor Ort für Flüchtlinge oder gar Kirchenasyl einsetzen. Sie waren ihren “Hirten” und der Politik (auch den C-Parteien, allein der Innenminister zum Kirchenasyl!) voraus. Bischöfe und Kirchenleitungen und auch die Kanzlerin haben zum Teil zu ihnen aufgeschlossen. Ich freue mich dieser Tage über jedes offizielle Wort meiner Kirchen (auch vom Ratsvorsitzenden), das die Flüchtlingsarbeit der Christen eben nicht als “Krise” bezeichnet.

Die Gekränkten – so habe ich dich verstanden – nicht zu vergessen und auch “mitzunehmen” ist wohl der schwierigste Part, weil er nicht nur mit Zeit und materiellem Aufwand und einer Umarmung am richtigen Platz verbunden ist wie bei vielen Flüchtlingen. Da weiß ich auch noch nicht so richtig weiter.

Aber einer Sache bin ich mir doch recht sicher, dieses “Mitnehmen” darf nicht darauf hinaus laufen, dass wir an der Richtung etwas ändern. Die Aufgabe der Kirche ist es, das Evangelium in Wort und Tat zu verkünden, nicht, alle mitzunehmen.“