Aus diesem sehr interessanten Interview mit dem Islamismus-Experten Ahmad Mansour bei jetzt.de ist mir vor allem eine Antwort im Gedächtnis geblieben:

„Mansour: Grundsätzlich gilt: Diejenigen, die uns monokausale Erklärungen liefern, haben das Problem nicht verstanden. Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, die zur Radikalisierung führen können. Die wirken für sich betrachtet, das sieht man ja bei mir, möglicherweise banal. Jugendliche können in der Radikalität eine Identität suchen oder eine Vaterfigur – oder auch nur etwas, das ihren Alltag strukturiert. Sie wollen sich befreien oder durch die Ideologie eine Art von Aufwertung erfahren. Was wohl die meisten eint: Sie waren vorher unzufrieden. Sie haben eine Last mit sich herumgetragen. Und sie haben durch die Ideologie das Gefühl bekommen, von dieser befreit zu werden. Neu anfangen zu können.“

Ganz unabhängig davon, ob man nun einen Zusammenhang zwischen der spezifischen Religion von Terroristen zu ihren Taten sieht und wie man je darüber denkt, scheint allein das Fundamentalisieren des Denkens schon religiöse Qualität zu haben.

Dazu aus aus dem Aufsatz „Vereindeutigen und Fundamentalisieren als theologische Probleme“ von Uwe Gerber (aus diesem Buch):

„Fundamentalisieren und Vereindeutigungen jeglicher Art vollzieht sich als Herrschafts-, Macht- und Gewaltsausübung, als Ausschalten von Kritik, Zweifel und Alternativen und als das Auslöschen der geschöpflichen Einzigartigkeit eines jeden Menschen. Die Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen in der Differenz zu den Anderen oder, theologisch gesprochen, seine Gott-Ebenbildlichkeit werden der religiös, politisch, nationalistisch, ökonomisch gerechten Sache geopfert. […] Fundamentalisieren und Vereindeutigen können nicht heilsam sein.“