Es folgt die deutsche Übertragung meines ersten Blogposts in englischer Sprache vom Mittwoch:

Olga Khazan schreibt kurz und bündig für The Atlantic über die Forschungen von Barry Schwartz. Im Kern geht es um einen nützlichen Lifehack, nämlich dass „good enough“ dem Drängen nach „the best“ vorzuziehen ist. Schwartz meint damit vor allem den Umgang mit den Möglichkeiten des Digitalen Zeitalters und des Technologiekonsums. Er spricht von einem klassischen „Choice overload“, aus dem man sich mit dem einfachen Trick, sich mit einer Lösung zufrieden zu geben, die gut genug ist, befreien kann.

„One of my favorite Schwartzisms is this: If you ever aren’t sure if you attended the very best party or bought the very best computer, just settle for „good enough.“ People who do this are called „satisficers“, and they’re consistently happier, he’s found, than are „maximizers“, people who feel that they must choose the very best possible option. Maximizers earn more, Schwartz has found, but they’re also less satisfied with their jobs. In fact, they’re more likely to be clinically depressed in general.“  (Olga Khazan: The Power of „Good Enaugh“, The Atlantic, Hervorhebung von mir)

Ich finde diese Gedanken in der Tat hilfreich auch für meinen Alltag in der Welt der Wünsche und Möglichkeiten. Besonders FOMO (Was das heißt? Einfach dort lesen.) erlebe ich beim Blick auf die Nachrichtenlage und im Angesicht so vieler guter Texte, Bilder und Videos, die mir tagtäglich zu Verfügung stehen.

Ein Lifehack ist nach der Wikipedia, „any trick, shortcut, skill, or novelty method that increases productivity and efficiency, in all walks of life.“ Doch Schwartz‘ Gedanken erinnerten mich an eine Predigt, die ich vor ein paar Tagen gelesen habe. Es geht nicht nur darum, die eigene Produktivität oder Effizienz zu steigern. Es geht tatsächlich um einen Lifestyle, der alles andere als neu  und wesentlich tiefgründiger ist.

Nadia Bolz-Weber sagt in ihrer Taufpredigt, die auch sonst lesenswert ist: „In the beginning God created a good but imperfect world and populated this world with earthlings, made in God’s image – male and female. (as an aside – the text doesn’t say Male OR Female) God created them in God’s image male and female -formed from dust and the breath of God. So I doubt that a God who created a good, but imperfect world is one who expects perfection from us. As though we can somehow through our efforts or self awareness or idealism improve upon what God has created. I don’t understand why the Christian moto isn’t, if good, is good enough for God, then good is good enough for us.

Nadias Gedanken sind nicht neu, doch eine willkommene Erinnerung. Sich mit „gut genug“ zu begnügen, das ist nicht Faulheit, wie es gerade die reformierte Tradition gerne auslegt, nicht nur ein Schritt hin zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden, sondern ein Akt der imago dei. Was einfach heißt, in den Fußstapfen Gottes zu leben.

Das schließt bei allem Zweifel und Ärger, den man mit seinem eigenen Glauben oder Nichtglauben haben kann, ein, es sich auch bei der Religion genügen zu lassen. Nicht alles, was gerade nicht passt, gehört weggeschmissen. Vielleicht ergibt es ja später einmal Sinn und es ist nützlich, es dabei zu haben. Nicht alle Zweifel müssen ausgeräumt werden. Manche erledigen sich vielleicht von selbst oder werden uns später gar nicht mehr so wichtig sein.

Was Olga Khazan am Ende ihres Artikels fazitiert, das gilt auch für Dimension des Religiösen: „It can be hard, in our culture, to force yourself to settle for „good enough.“ But when it comes to happiness and satisfaction – and God-, „good enough“ isn’t just good—it’s perfect.“

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