Günter Gaus gehört zu den besten Interviewern Deutschlands. Das wird umso klarer, desto länger er tot ist. Das ist immerhin schon zehn Jahre der Fall und die Frage deshalb dringlicher denn je: Wer vermag solche Gespräche zu führen und damit ein breites Publikum zu erreichen? Bauerfeind, Willemsen, Kuttner, vielleicht sogar Klaas Heufer-Umlauf? Und wer wird ihnen im Hauptprogramm dafür Platz machen? Vielleicht ja eine weitere der überzähligen Talkshows. Ich jedenfalls fände ein solches reines Interviewformat toll.

Gaus führte meines Wissens nach zwei Gespräche mit Herbert Wehner. Eines im Jahre 1964, da befand sich die SPD noch in der Opposition, ein Zweites führten die beiden im Jahr 1968, da war die SPD Juniorpartner der ersten Großen Koalition. Ich habe hier das Gespräch von 1964 gewählt, weil Wehner in ihm umfassend biographische Auskunft gibt. Wehner ist in Dresden geboren (nicht weit von meiner Grundschule entfernt, an der im letzten Jahre meines Aufenthaltes dort ein Denkmal zu seinen Ehren errichtet wurde) und hat in der Stadt seine ersten auch politischen Schritte gemacht. Es sei in diesen Tagen betont, dass auch so große Männer wie Wehner aus Dresden gekommen sind.