Allen Menschen, die genau zu wissen meinen, was Gott von ihnen will, weil er auf die eine oder andere Weise direkt zu ihnen gesprochen habe – vernehmlich und deutlich, sollten wir diese Geschichte von Hananias erzählen (Apg 9, 10-19). Denn was wir von Gott hören, dass passt uns doch erstaunlich häufig sehr gut in den Kram. Ganz anders ergeht es Hananias, was er zu hören bekommt, schmeckt ihm überhaupt nicht.

Er freut sich nicht – er spricht ja immerhin mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen – , er ist auch nicht Stolz über seinen Draht “nach oben”, sondern vielmehr ist er skeptisch, unsicher und er hat Angst davor, sein Leben zu verlieren.

Das scheint mir ein guter Gradmesser für wahre Gottesrede zu sein: Wenn Gott zu Dir spricht, dann wirst Du dich dafür nicht rühmen wollen oder vor Freude auflachen, dann wird es dich schütteln und Du wirst alles in Frage stellen und Du wirst Angst haben. Denn was Gott auch immer sagt: es ist sehr wahrscheinlich, dass es dir nicht in deinen Kram passt.

Das gleiche gilt von der Bibel und für jedes heilige Buch, dass sich Menschen geschrieben haben. Wenn wir lesen und uns bestätigt fühlen und uns nichts aufstößt, dann sollten wir nochmal nachfragen, wie es Hananias tut, nochmal lesen, ob dort nicht mehr steht: ein Anspruch an uns, der uns beunruhigt. Heilig halten wir diese alten Texte, wenn wir uns von ihnen in Frage stellen, herausfordern lassen, nicht wenn wir sie als Siegel unserer eigenen Meinung vor uns her tragen.

(aus Die Bekehrung des Jüngers Hananias, September 2014)