Heute wurde bekannt, dass Roger Willemsen gestorben ist. Er wird mir und vielen Menschen fehlen, weil es vermochte, immer wieder Neues auszugraben und vorzustellen. Er wollte sich wirklich nicht wiederholen, weshalb er wohl auch von einer Rückkehr ins Fernsehen nicht zu überzeugen war. In Zeiten, in denen wir uns scheinbar immerzu im Kreis drehen und in denen schon die Wiederholung oder das Revival alter Ideen und Formate (Akte X! StarWars!) das Maximum unserer intellektuellen Anstrengungen darstellen, werden wir ihn sehr vermissen.

Er stellte uns Afghanistan vor, immer wieder und mit wachsender Verve, umso mehr sich das Scheinwerferlicht der Presse aus diesem Land verabschiedete. Er reiste und berichtete aus Welten, die nie zuvor ein Deutscher als Gast und Wissbegieriger und Schreiber betreten hatte. Und als der Überdruss an der Politik schon fast an jeder Straßenecke und den vormals zugehörigen Kneipen spür- und hörbar wurde, da machte er sich auf, dem deutschen Parlament genau zuzuhören. Gegen den Strich, immer wieder neu.

Nils Minkmar schrub in seinem gelungenen Nachruf auf Willemsen: „Dieses lästernde, lüsterne, kiffende, krähende Genie ist unersetzlich. Wir werden ganz schön arbeiten, ja kämpfen müssen, um ohne ihn nicht in einer Republik von Spießern zu enden.“ Mit seinem Tod sind wir einer Republik von Wiedergängern und Abschreibern näher gerückt. Dagegen muss tatsächlich gekämpft werden.

 


Zwei sehr gute Nachrufe auf Roger Willemsen:

  • „Immer zu früh“,  Matthias Kalle, ZEITMagazin, Link
  • „Der Anti-Spießer“, Nils Minkmar, SpiegelOnline, Link

Alle Spätschau-Beiträge zu Roger Willemsen.