Die Links am Tag des Herrn stehen diese Woche vielleicht unter dem Motto Sprache. Wie sprechen wir miteinander über große Themen? Wo kann uns die Anmut schöner Sprache zu Hilfe eilen? Und wo ist es wichtig, Einspruch einzulegen?


Debatte

Lutherische Kirche in Lettland schafft Frauenordination ab – Kritik von deutschen Lutheranern (evangelisch.de)
Das kirchenpolitische Aufregerthema der Woche war die nun auch offizielle Abschaffung der Frauenordination in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands. Dagegen wurde in Deutschland und auch vor Ort zu Recht protestiert. Ein Grußwort der Nordkirche, das Kritik am Verbot beinhaltete, durfte nicht verlesen werden. Unwürdige Zustände sind das.

„Wir wollen nicht zweitrangig am Altar sein!“ – Zur Situation lettischer Theologinnen (Pfälzisches Pfarrerblatt)
Für alle, die wie ich die Situation in Lettland nicht permanent vor Augen haben, ist dieser kurze Text über die Situation von Theologinnen dort und in der Auslandskirche sehr interessant. Jenseits einer fragwürdigen Haltung gegenüber dem Bibeltext und der Sturheit des männlichen Establishments scheint es wohl noch ein drittes Problem zu geben: Unterstützt wird die Lettische Kirche und ihr Predigerseminar von einer lutherischen Kirche aus den USA, die ebenfalls keine Frauenordination betreibt. Kritik aus Deutschland verfängt wohl auch in Zukunft nur in dem Maße, in dem wir bereit sind, auch finanziell mitzuwirken.

Fluchtursachen bekämpfen – aber wie? Zur Legitimität militärischer Gewaltanwendung. (Heinrich Bedford-Strohm, Facebook)
Der Ratsvorsitzende spricht vor den bayrischen Bundestagsabgeordneten, das Manuskript dazu hat er auf Facebook veröffentlicht, wo es auch schon reichlich diskutiert wird. Der Text ist als Einstieg in eine Diskussion auch sehr fein, weil Bedford-Strohm erst einmal neutral die gängigen christlichen „Perspektiven“ schildert, um dann die Maßstäbe des gerechten Krieges aus der Mottenkiste zu holen und unsere vielfältigen Meinungen bzgl. des Syrienkriegs an ihnen misst. Das ist nicht nur interessant zu lesen, sondern im besten Sinne vorzeigbar, will man einmal Kirchenfernen erläutern, was denn nun „die evangelische Sicht“ der Dinge ist.

Warum der Islam zu Deutschland gehört (TheoPop)
In aller Kürze auf den Punkt gebracht: „Deshalb sind Forderungen wie „Religion gehört nicht in die Öffentlichkeit, sie muss privat bleiben“ ebenso hanebüchen. Denn da liegt ein grobes Missverständnis vor. Ich kann doch nicht plötzlich als ungläubiger Mensch agieren oder Entscheidungen treffen, nur weil ich mein Haus verlasse. Nein – wer Religionsfreiheit fordert, der muss auch zulassen, dass Christen Christen sein dürfen, Muslime Muslime und Atheisten Atheisten. Und das heißt: Nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern als Menschen in allen Lebensbereichen. Alles andere hieße, den Menschen einem Teil seiner Identität zu berauben.“ Das Abtrennen im Stile von „Muslime ja, Islam nein“ stößt mir auch immer wieder auf. Klingt für mich verdächtig nach der alten christlichen Parole „Sünder ja, Sünde nein“. Ist eine andere Religionszugehörigkeit (immer noch) Sünde?

Randständiges

Gängige Sprachkritik und spannende Biografie: Erik Flügge, Der Jargon der Betroffenheit (Kirchengeschichten)
Da hat einer ein Buch geschrieben, ein Kirchenferner. Der junge Mann heißt Erik Flügge (@erik_fluegge) und schreibt über Kirchensprache. Das Thema interessiert mich ja sehr und deshalb hab ich das Buch gleich mal bestellt, um selbst nachzulesen. Hier erstmal die Rezension aus den Kirchengeschichten: „Bei vielem von dem, was Flügge beschreibt, finde ich mich wieder: Im Klagen über die olle Rose von Jericho (33ff.). Oder über das Existieren am Rand der Kirche: „Ich bin kirchenfern – so fern man nur sein kann, denn Kirche hat Menschen, die so leben wie ich, schon lange aufgegeben. […] Nur eine Sache kann ich Ihnen beim besten Willen nicht beantworten: Warum ich mich mit Gott und seiner Kirche beschäftige, obwohl sie Menschen wie mich schon längst aufgegeben hat.“ (18). Oder in der simplen Feststellung: „Wenn man mit euch ein Bier trinkt, dann klingt ihr ganz normal. Sobald ihr für eure Kirche sprecht, klingt’s plötzlich scheiße.“ (8)“

Vitale Kriseninfrastruktur – Warum die großen Kirchen unverzichtbar sind (Erik Flügge)
Von eben diesem jungen, sich selbst als kirchenfern beschreibenden, Autor stammt dieser Blogbeitrag über die Kirchen und ihren Wert in Krisensituationen. „Wenn plötzlich tausende Menschen mit Tod und Trauer konfrontiert sind, dann gibt es nur zwei Institutionen, die das auffangen können: Die viel gescholtene Evangelische Kirche und die noch mehr gescholtene Katholische Kirche. In beiden Kirchen gibt es eine große Anzahl von Menschen, die sich emphatisch um Trauernde kümmern. Menschen, die sich die Zeit nehmen, die gebraucht wird, anstatt fort zu eilen. Gleichzeitig haben beide Kirchen den Willen in Krisensituationen schnell und unkompliziert zu handeln. Sie stellen alles hinten an, wenn ihre seelsorgerische Kraft gebraucht wird.“ Es gibt ja auch einen Wert der Krise, nämlich die Erkenntnis darüber, was wirklich wichtig ist.

Wie lebt es sich im Matriarchat? (n-tv)
Stichwort: Feminisierung der Kirche (s. letzte Links am Tag des Herrn) „Die [Männer] brauchen keine Machtkämpfe, eben weil matriarchale Gesellschaften genau auf die Balance und die Egalität der Geschlechter achten. Matriarchate werden ja meist mit Frauenherrschaft verwechselt. Das ist aber völliger Unfug. Diese Stereotype „Dann geht es den Männern schlecht“, „Dann müssen die revoltieren“ und ähnliches Zeug, sind nichts als Vorurteile aus unseren westlichen Köpfen. Die Männer dort müssen nicht in die Frauensphäre eindringen und die Frauen nicht in die Männersphäre. Das würde man als nicht in Ordnung betrachten, weil jedes Geschlecht seinen eigenen Machtbereich hat.“ (via Herzdamengeschichten)

Die Armen (Read on my dear, read on.)
So isses, leider. „Dankbar sollen die Armen sein, auf jeden Fall aber bescheiden. Forderungen sollen die Armen nicht stellen. Wir wissen es doch besser. Weit weg sollen die Armen wohnen, in Vierteln die uns nichts anzugehen brauchen. Adrett und höflich sollen die Armen sein und nicht etwa lauthals in Bahnen und Bussen grölen, oder gar uns auffordern Platz zu machen. Überhaupt, warum müssen die Armen immer in Gruppen auftreten? Still sollen die Armen sein.“

Bibel

Reinkarnation im Neuen Testament? (Auslegungssache)
Kurzer exegetischer Durchritt zum Thema Wiedergeburt im NT (und darüber hinaus). Informativ und lesenswert.

Predigt

Der Ort der Freiheit – Die Segnung der Kinder (Mk 10, 13-16)
Am 1. Juni war Kindertag. Zeit, wieder einmal die Predigt über die Segnung der Kinder aus dem homiletischen Seminar rauszukramen. Es geht darin vor allem darum, der kirchlichen Standardverkündigung (Vertraue mir …) ein anderes Bild vom Kind und Erwachsenwerden entgegenzusetzen.

Ein schöner Satz

Kirche muss nicht neutral sein, Kirche muss Haltung zeigen.
– Katrin Göring-Eckardt, von hier