Immer mal was Neues: Ich nehme mir vor, hier in der Spätschau jeden Sonntag ein paar Leseempfehlungen zu posten. Der Kiezneurotiker nennt das „Lass mal netzwerken …“, da schaue ich jede Woche vorbei. Und Felix Schwenzel macht das irgendwie permanent mit allen möglichen Links zu Internet, Medien, Politik und Zeitgeschehen.

Ich will es hier ein wenig enger fassen und zum Tag des Herrn Links aufschreiben, die im weitesten vorstellbaren Sinn etwas mit Religion, Glauben, Kirche und so zu tun haben. Warum?

Weil ganz viele Leute dazu schöne, sinnvolle, tiefgehende Texte ins Internet schreiben, die nach meinem Dafürhalten zu wenig gelesen werden. Ich will also vor allem Blogs und Texte verlinken, die nicht in großen Medienhäusern erscheinen und die keine große Reichweite haben.

Mal schauen, wie lange ich es durchhalte, jeden Sonntag zur Spätschauzeit Empfehlungen aufzuschreiben. Ihr könnt mir dabei gerne helfen, indem ihr mir Links zu interessanten Beiträgen schickt. Einfach in die Kommentare damit! Ich werde Hinweise von Euch – auch auf Texte, die ihr selbst geschrieben habt – 100%ig mit in die nächste Ausgabe aufnehmen.  Nicht zuletzt will ich die Links auch deshalb aufschreiben, damit ich sie bei Bedarf selbst wieder finde.


Debatte

„Nachwuchs für den Pfarrberuf – Probleme und Herausforderungen“ von Christian Grethlein (pfarrerverband.de)
Schon am Titel erkennt man: Hier schreibt ein Professor der Praktischen Theologie. Ohne Probleme und Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen oder Ähnliches geht es da nicht ab. Grethleins Ausführungen geben in etwa den Diskussionsstand wider. Lesenswert für alle, die sich in die Debatte um die Zukunft des Pfarrberufs einlesen möchten. „Insgesamt dominiert die Orientierung am Überkommenen und damit am staatlichen Beamtenrecht.26 Die pastorale Praxis wird sehr konventionell beschrieben. In der Praxis wichtige Fragen wie der Umgang mit Mitarbeitenden oder Kolleg/innen kommt nicht bzw. kaum in den Blick.“

Could feminists save the Anglican Church? (theconversation.com)
Ja, können sie? Und was lässt sich für die Kirchen hierzulande mitnehmen? „Feminist theology attempts to re-frame Christianity to allow oppressed groups access to God, who, it turns out, does not privilege the male, white, middle class and heterosexual humans after all. Queer theology, like feminist theology, operates at the boundaries of the Church, though there is much more hope, acceptance and optimism at the grassroots.“

Männergottesdienste funktionieren nicht – Der scheidende Landesmännerpfarrer wirbt für bessere Angebote in den Gemeinden (elk-wue.de)
Darüber müsste man sicher noch weiter nachdenken und auch schreiben. Mir scheint manche Aussage im Interview reichlich pauschal zu sein. „In Männerköpfen spukt immer noch der Gedanke, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, in die Kirche zu gehen. Sie haben Angst vor der Frage: „Hast du das nötig?“ Schwächeerfahrungen sind durchaus wichtig, aber ein Mann hat dazu einen längeren Anlaufweg. Einfacher ist es, ihn bei seinen Kompetenzen anzusprechen. „Mann, ich brauche Dich für eine Aufgabe“ ist wirkungsvoller als die Botschaft „Mann, du brauchst mich.“

Stammtisch und Kirchenbank – Was tun gegen rechtsextreme Christen? (ekd.de)
Zusammenfassung der ökumenischen Konferenz der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus. „Am Ende der Konferenz bleibt jedoch auch die Erkenntnis, dass es kein theologisches Allheilmittel gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gibt. Was eigentlich wirken sollte – nämlich die Verheißung, dass alle Gottes Kinder sind und die Selbstrelativierung, die im Glauben steckt – wirkt nicht bei allen.“

Randständiges

Zur Lichtregie in der Feier der Osternacht (auslegungssache.at)
Oliver Achilles aus Wien ist aufgefallen, dass es zu Ostern häufig erst über dem NT „Licht wird“. So habe ich die Problematik der Lichtregie bei Osternachtfeiern bzw. Ostermetten noch gar nicht betrachtet. Mir wird häufig eigentlich zu schnell zu viel Licht und bisher war ich der Meinung, dass beim Osterhalleluja nach dem Evangelium eigentlich der schönste Ort für das Lichtmachen sei. Kleine Randbemerkung: Umso unsinniger finde ich Osternachtsfeiern, die ihr Ende mitten in der Nacht nehmen (oder schon am Vorabend), weil dann die ganze Lichtmetaphorik wirklich flöten geht. Wird vielerorts ja trotzdem so gefeiert …

Vierlingstaufe in Jena am 24. April – Ministerpräsident Ramelow und Propst Kamm als prominente Paten (ekmd.de)
Heute wurde in Jena getauft, Pfarrerin Friederike Costa: „Dass die Vierlinge gesund und wohlbehalten zur Welt kommen konnten, ist nicht selbstverständlich. In Albanien sahen die Ärzte keine Möglichkeit, diese besondere Schwangerschaft bis zu einem guten Ende begleiten zu können. Es ist ein Segen, dass die Familie den Weg nach Deutschland und nach Jena geschafft hat. Wir sind dankbar, dass wir für sie da sein können und Anteil haben an der Entwicklung der Vierlingskinder. Denn sie sind ein besonderes Geschenk Gottes.“

bruder klaus kapelle (wirres.net)
Hö, hö, Reichweite?! Die hat Felix Schwenzel natürlich auch ohne diesen Hinweis. Er gehört nach wie vor zu den bekanntesten Bloggern des Landes. Hier schreibt er mal über einen interessanten Sakralbau, der – wie ich es verstanden haben – irgendwo in der Pampa steht. „die kapelle thront auf einem acker, der sich quasi am arsch der welt befindet, in einem kleinen eifeldorf. um zur kapelle zu gelangen muss man ungefähr einen kilometer von einem parkplatz über äcker laufen.“

The Sacred and the Profane (thisisnthappiness.com)
Bilder. Lustig.

Bibel

Is the Parable of the Rich Man and Lazarus a Fable about the Afterlife? (Is that in the Bible?)
Ein Blog, das ich auf Empfehlung von Max Melzer (@_maxmelzer) inzwischen regelmäßig lese. In englischer Sprache und nicht ohne die ein oder andere Spitze gerade gegen die an deutschen Fakultäten vorherrschenden exegetischen Überzeugungen bereitet Paul Davidson hier exegetische Hinweise und Probleme zu einzelnen Bibeltexten auf. „Figuring out the author’s intent with this parable has been a challenge, and many differing opinions have been offered. I’d like to look at some of the sources Luke may have drawn upon, and what message I think the parable is intended to convey. There are also some connections with the other Gospels that might get overlooked by most readers.“

Predigt

Vision der Predigt (homilia.de)
Karsten Dittmann schreibt über ein Werk von Paul Gauguin und das Predigen. Sehr interessant. „Nun erschließt sich das Bild tatsächlich sich nicht auf den ersten Blick und auch die religiöse Aussage liegt nicht auf der Hand, auch wenn Gauguin selbst von einem religiösen Bild spricht („un tableau religieux“).“

Zeig mir deine Narben! – Presbytereinführungspredigt über Joh 20,19-31 (kirchengeschichten.blogspot.de)
Eine sehr feine (Oster-)Predigt. „Zeig mir deine Narben, und erzähl mir deine Geschichten. / Als dir der Kinderglaube abhanden gekommen ist wie die Milchzähne. / Zeig mir deine aufgeschürften Knie, als du gestolpert und hingefallen bist. / Zeig mir die Schwielen an den Händen, als du dich wieder hochgezogen hast. / Lass mich den Finger in die Wunde legen, ohne mich zu beschwichtigen oder abzulenken. Sonst glaube ich nicht.“