Felix Schwenzel kommentiert einen Text von Stefan Niggemeiner über die Griechenlandberichterstattung des ZDF. Was er über die Medien schreibt, lässt sich mit nur geringem denkerischen Aufwand auf alle weiteren Vertrauenskrisen unserer Zeit anwenden.

es gilt immer noch als allgemein verkaufs- und vertrauensfödernd öffentlich ein hundertprozentiges selbstvertrauen und zweifelsfreies gut-finden der eigenen leistung zu demonstrieren. je arroganter und selbstbewusster man auftritt, je überzeugender die darstellerische leistung ist, desto vertrauenswürdiger glaubt man zu sein. aber leider ist meistens das gegenteil der fall.

ich finde ja, dass gerade die dokumentation von nichtwissen oder wissenslücken, von unsicherheiten oder schwächen der glaubwürdigkeit hilft — vorausgesetzt es besteht ein mindestmass an substanz. weniger aalglattes popanzgehabe, weniger professorale phrasendrescherei, weniger darstellung von selbstbewusstsein und sich selbst geilfinden. dann könnte das mit dem vertrauen in die medien auch wieder klappen. (ganzer Kommentar auf wirres.net)

Jenseits der ausdauernden und auch schon mal leidigen Diskussion um das mangelnde Vertrauen in die Medien – die ja Teil der großen Diskussion um die Zukunft der Medien ist-, scheint mir Felixs Argument bei Anwendung auf andere Vertrauenskrisen (z.B. Sächsische Justiz, Geheimdienste, Flüchtlingspolitik, Kirche, etc.) schlüssig.

Doch eine Anfrage kommt mir schon allein aus eigenem Erleben:

Wenn mein Gesprächspartner selbst Zahlen und Statistiken des Statistischen Landesamts in Frage stellt und damit sein mangelndes Vertrauen auch in diese Institution dokumentiert, wie soll ich darauf reagieren? Können staatliche Stellen es sich überhaupt leisten, weniger arrogant aufzuschlagen? Wo die Faktenbasis auf Grund grundstürzender Verwirrung geleugnet wird, hilft wohl auch Demut nicht weiter.