Am 12. Februar 1804 starb zu Königsberg Immanuel Kant. Vor allem Protestanten nehmen traditionell für sich in Anspruch, eine denkende Religion zu leben. Von Johann Gottlieb Fichte stammt die Sentenz: Jesus, Luther und Kant seien „die heiligen Schutzgeister der Freiheit“, die in den Tagen ihrer Erniedrigung mit Riesenkraft die Fesseln der Menschheit zerknickten, wohin sie griffen. Man muss den Flausen der Lutherrenaissance nicht auf den Leim gehen, um diese Linie der Freiheit, die von Golgatha über Wittenberg in eine Studierstube in Königsberg führt, zu entdecken.

„[…] Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts; […].“, so steht es im Brief an die Gemeinde in Ephesus. Auch Luther ist sicherlich ein Licht aufgegangen, und die Lichtmetapher ist eine der dringlichsten, um das Geschehen der Aufklärung zu beschreiben. Die Kunst und Architektur der Aufklärungszeit ergießen sich im Lobpreis des Lichts. Mit Kant ist Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Mit dem Selberdenken kommt ans Licht, was bisher verborgen war. Auch alltägliche Missverhältnisse, ethische und moralische Probleme unserer Zeit.

(aus Moment mal: Selber denken, März 2014)