Das erste „Lied“ in einer Sinfonie, uns allen aus dem Schulunterricht bekannt, eines der am häufigsten aufgeführten klassischen Musikstücke der Welt. Die Ode an die Freude, der letzte Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven ist eine Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Friedrich Schiller. Heute vielfach als die Europahymne bekannt, diente sie z.B. während der deutschen Teilung den gemeinsam antretenden Athleten aus Ost und West als Hymne bei den Olympischen Spielen 1956, 1960 und 1964.

Es ist eine seltsame Hymne, weil sie bei offiziellen Anlässen nicht gesungen wird, und, weil es ihr nicht um abgrenzende Identifikation, sondern um ein universales Anliegen geht. Es geht auch im eigentlichen Sinne nicht um Gott, Glauben oder Religion, wenn auch Gott als Schöpfer angerufen wird, sondern um die conditio humana an sich.

„Alle Menschen werden Brüder“ und „über’m Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen“ sind die beiden Motive die im 4. Satz schließlich über die widerstreitenden Motive der vorausgehenden Sätze triumphieren. In ihrer Zweiheit, Brüderschaft auf der Erde und Transzendenzbezug, und durch die sie tragende Musik zeigen sie eine Friedensvision, der man sich kaum entziehen kann.

Die obenstehende Aufnahme des 4. Satzes entstand 2012 in der Royal Albert Hall in London während der traditionellen Sommerkonzerte (Proms). Es spielt unter der Leitung von Daniel Barenboim das West-Eastern Divan Orchestra, ein Orchester das aus jungen israelischen, palästinensichen und arabischen Musikern besteht. Es singt der National Youth Choir of Great Britain und als Bass René Pape, ein Kruzianer und gebürtiger Dresdner. Die komplette Sinfonie mit Interviews und einer kleinen Werkeinführung von Daniel Barenboim findet ihr hier (sehenswert!).

(Text von hier: Vom Frieden singen – #SongofPeace)